Weimar im Wandel

Die Transition-Town-Initiative für Weimar.

Die Asbachwanderung

Unser erster gemeinsamer Bach-Spaziergang – von der Wasserinitiative Weimar organisiert – fand am 28. März statt und führte uns entlang des Asbachs – von der Mündung in die Ilm am E-Werk bis zum Quellgebiet nach Daasdorf.

Wir trafen uns vormittags am E-Werk und erlebten den Asbach an seiner Mündungssituation, eingemauert, von Farnen umgeben, in einer abgelegenen Ecke der Anlage als übelriechendes Gewässer.

Der Asbach am E-Werk

In einer höhlen-artigen Situation am vergitterten Ausgang lässt sich der unterirdische Verlauf erahnen, ein kalter Hauch dringt aus dem Schacht, pfeilgerade schießt das Wasser durch die gemauerte Betonrinne. Löchrige Röhren führen bei Regen Wasser zu, dem Geruch nach zu urteilen, kommen auch Abwässer. Verschiedenes Kartenmaterial von 1250 bis heute zeigt die unterschiedlichen Wassersituationen vor Ort, von den Verzweigungen des Asbaches bis zur Gestaltung der Ilm mit altem und neuem Mühlkanal.Der Anfang des unterirdischen Kanals. Vergittert und Kalt.

Wir sahen die Brache im hinteren Teil des E-Werks, verkrautet und teils vermüllt. Landschaftlich ansprechender war treppab und ebenso im Stillen, auf der anderen Seite der „Halbinsel E-Werk“ die Situation an der Mündung des Mühlkanals. Allerdings mit stehendem schwarzem Wasser, durch den fehlenden Nachlauf und die Plombierung des Turbinenhauses der Karlsmühle.

Der stehende Mühlkanal. Schwarzes, stinkendes Wasser an der Karlsmühle.

Katrin berichtete von der Geschichte des E-Werks an sich, dem Gelände in seiner Überformung sowie die Geschichte der Ilm-Schwimmbäder. Heute kaum noch vorstellbar, dass einst Wettschwimmen in der Ilm veranstaltet wurden, ohne dass es zu Knie- und Ellenbogenabschürfungen kam. (Der Grund ist die  Absenkung des Grundwasserspiegels über die Jahrzehnte)

Katrin erzählt die Geschichte des Asbachs am E-Werk

Weiter spazierten wir ziemlich exakt oberhalb des einbetonierten Asbachkanals in Richtung Atrium und daran vorbei zum Neuen Museum. Wir stellten uns die Zeit um 1860 vor, das natürliche Asbach-Tal mit seiner steil (bis zu 10 Metern ) abfallenden Böschung als nördliche, natürliche Grenze der Stadt und als Hindernis auf dem Weg zum neuen Bahnhof, mit der nach Süden hin anliegenden Jakobsvorstadt und den Menschen, die hier an den Quellen „Goldbrunnen“ und „Silberbrunnen“ ihr Trinkwasser holten.

Spaziergang direkt am Asbach
Wir sensibilisierten uns weiter für die Zeit um 1880, für die Gestaltung des Tales mit Viadukt und die Verrohrung des Asbaches nach dem Bau des großherzoglichen Museums. Mit der Verrohrung wurde die Talsohle angehoben, der Wimaria-Brunnen errichtet und die zwei Quellen verschüttet.
60 Jahre stand vor dem Neuen Museum die Wimaria-Figur, bis sie 1936 von den Nazis entfernt wurde und seither verschollen ist. Dann geschah das brachiale Abreißen eines Großteiles der Jakobsvorstadt, eine Umlegung des Asbaches in einen neuen Kanal vorbei an den Baugründen des neu entstehenden Gau-Forums und die Nivellierung des gesamten Tales hin zu diesem heutigen unwirklichen Weimar-Platz, den man nicht betreten kann.

Der Vimaria-Brunnen mit Blick auf die Stadt.Der Vimariabrunnen
Bettina brachte im neuen Museum in Erfahrung, dass es dort (auf Höhe der Toiletten) einen brunnenartigen, vergitterten Schacht gibt. Er war früher mit Lichterketten beleuchtet, wodurch man den Asbach unten fließen sehen konnte. Seit Baumaßnahmen vor ca. zwei Jahren wurde dieser Teil verrohrt, wodurch nun nichts mehr zu sehen ist und auch der flache Brunnen auf dem Platz vor dem Museum und dem Landesverwaltungsamt, der von diesem Wasser gespeist wurde, trocken ist.
Immer wieder fiel auch auf, was es für Benennungsschwierigkeiten für diesen Ort gibt. Gau-Forum, Weimar-Platz, Landesverwaltungsamt. Keines geht ganz leicht über die Lippen.

Das alte Viadukt am Haus 2
Weiter wurde die Situation im Haus 2 des Amtes erklärt. Bei den kürzlich erfolgten Sanierungsarbeiten hat man Reste des altes Viadukts im Bereich Keller/Fundament gefunden und nimmt darauf gestalterisch Bezug mit einer nach einem alten Foto gelaserten Steinplatte in Richtung der ehemaliger Brücke.

Ein gelasertes Foto des alten Viaduktes.
Es war für mich ein besonderer Moment mit den Frauen an diesem Platz nahe des ehemaligen Standortes der Wimaria zu sitzen und gemeinsam zu empfinden, was da passiert ist. Das Verschwinden der Figur, das Zukippen eines Goldbrunnens, eines Silberbrunnens usw. Dies ist tatsächlich ein neuralgischer Punkt, der Aufmerksamkeit verdient.

Wir folgten weiter dem hier unterirdischen Lauf bis zu der Stelle am Schwanenseebad, wo der Bach wieder offen zutage tritt– an der Asbachstraße. Dieser Bereich mit einem sehr steil abfallenden Ufer ist vermüllt und Glasscherben gefährden die nackten Kinderfüße. Die Wassersitution ist wesentlich besser als am E-Werk, aber nicht gut oder gar besonders geeignet für Kinderaktivitäten. Das Spiel dort und eine spontane Glasscherbensammelaktion waren doch zukunftsweisend und machten Lust auf mehr.

Der Asbach am Schwanseebad.Der Kanal in der Asbachstraße.

Am Ende der Asbachstraße verschwindet der Flußlauf erneut unter dem Asphalt. Suse führte uns weiter über den Parkplatz zum Sportareal, das Gelände des Wimare Stadions (dort ist der Bach wieder zu sehen) war verschlossen.

Der Asbach am Wimare Stadion.

Wir gingen parallel auf der mittagsheißen Schwanseestraße bis zur Brücke und dem Eingang zur „Asbach-Sporthalle“ und folgten dann dem Flußlauf durch das Gelände einer Gartensparte. Hier konnte man den Bach angenehm plätschern hören, eine der schönsten Atmosphären während der Tour, mit sanfter Oberflächenmodulation links und rechts des Baches. Saftig grünes Gras und vereinzelt Bäume, wir misstrauisch beäugt von den Kleingärtnern.

Ein traumhafter Asbach in der Kleingartensiedlung.
Am Ende war uns der Ausgang leider durch einen Zaun und die Berkaer-Bahn-Schienen versperrt, der Bach mündet wieder mal in eine enge, betonierte Kanalisation.

Das traurige Guckloch an der Schwanseestraße.
Also weiter entlang der Schwanseestraße, vorbei an einem tristem „Guckloch“ im Gewerbegebiet, vorbei am Teegut und einigen Weimar-West-Wohnblocks zieht sich das Bachbett weiter durch die Gartenanlage „Am Asbachstau“ dahinter befindet sich ein Damm, dessen Zweck uns ob der schmächtigen Rinnsale ein wenig rätselhaft bleibt, durch eine Schleuse innerhalb dieses Damms fließt der Asbach.

Dahinter, im sogenannten „Paradies“ (Landschaftsschutzgebiet vor Weimar-West) hielten wir ausgiebig Mittagsruhe. Nun gings durchs Grüne, viele Weiden, verschiedene Zuflüsse, wesentlich angenehmer, etwa 10 Meter weiter wurde der Bachlauf wieder mäandrierend, sogar mit sandigem Boden.
Russische Familien veranstalteten ein privates Grillfest, wir hievten den Kinderwagen durch versumpfte Bach-Zuläufe, die Kinder balancierten über einen umgestürzten Baum.

Über Stock und Stein auf in's Paradies!

Immer wenn es ausreichende Verschattung, weitläufige Führung gibt und Möglichkeiten für den Bach bestehen zu mäandrieren (Widerstände, Inseln, Steine im Fluss), scheint sich der Bach kurz zu erholen. Dort wo ein bewegliches Fließen, ein natürliches Anstauen und Weiterströmen möglich war, kommt es zu Verwirbelungen, die die Vitalität dieses Gewässers erhöhen.

Schöne Aussicht mit dem Ziel in Sicht.
Weiter hinteren Bereich des Paradieses fließt der Bach durch ein Schotterbett, in der Bahnschienenunterführung ist er befestigt. Nun, bei und unter der Umgehungsstraße, die wie eine moderne Stadtmauer die blühende Landschaft durchschneidet, sinkt wieder die Qualität des Baches und das Erscheinungsbild wird trist. Zwar ist der Bach von Weiden begleitet, aber er ist auch begradigt, und wirkt eher wie ein Entwässerungsgraben. Die verrapste Landschaft (Wo ist die Vielfalt???) und eng angrenzende Felder lassen keine Möglichkeit des Mäandrierens und das durch Düngemittel verursachte Nährstoffüberangebot sieht man in der Algenbildung im Bachlauf. Zusätzlich landet eine Menge Müll im Gewässer.

Fortuna Hofpgarten gegen SV Gaberndorf!
Südlich von Gaberndorf ist die Landschaft ein wenig abwechslungsreicher und hohe Pappeln und sanfte Hügel bestimmen das Bild. In Gaberndorf umfließt der Asbach im rechten Winkel den Fußballplatz. Heute spielte Fortuna Hopfgarten gegen S V Gaberndorf 1952 und in der Klause „Lattenknaller“ gab es  Himbeerbrause und Bundesliga. Nur noch ein kurzes Stück ist es von da bis Daasdorf am Berge.

Der modrige, stehende Austritt des Asbachs nach der Neubausiedlung.
Am Beginn der Einfamilienhaussiedlung Daasdorf tritt Wasser aus einer weiteren Verrohrung. Es fließt hier in einen, im Umkippen befindlichen, modrigen Tümpel, aus dem der Bach dann weiterläuft.
Hier– im eigentlichen Quellgebiet – ist nur zu vermuten, dass eine Schilfstelle am Ortsausgang von Daasdorf in Richtung Ottstedt den tatsächlichen Quell-Ort markiert. So wurde es zumindest bei einer früheren Begehung von Anwohnern beschrieben. Unter Daasdorf sind der Bach bzw. seine Zuflüsse unterirdisch kanalisiert.

Daasdorf Zentrum am Mahlstein
Da die „Quelle“ schon im März trocken war, vermieden wir am Samstag auch wegen Erschöpfung und der großen Hitze den Weg hinauf. Wir blieben eine Weile in der Ortsmitte am Waid-Mahlstein (der eine Mühle vermuten lässt), Feuerlöschteich und Brunnen, bevor wir zur Busstation liefen.
Insgesamt war die Tour ziemlich heiß und trocken.

UNSER EINDRUCK

Wir erlebten diesen Bach für kurze Momente sehr schön und vital, aber dann wieder überwiegend traurig und malträtiert, aus der natürlichen Ordnung gekommen und vernachlässigt. Nur Selten war die Aufenthaltsqualität gut und schien Kinderspiel am Bach möglich.

Der Asbach und seine Kontraste.

RESÜMEE
Es sollte die Wahrnehmung geöffnet werden für diesen Bach. Die Geschichte konnte erzählt werden und gelegentlich sind einige Hoffnungsblitze aufgetaucht, dass man eigentlich in jedem Moment dem Bach ein Stück helfen könnte, in einer vitaleren Form zu fließen und ihm helfen, sich damit auch ein Stück selbst zu regenerieren. Ein Ansatzpunkt liegt in der Gestaltung des Umfeldes des Baches, um die Selbstreinigungskräfte anzuregen. Eine andere Idee kam von Jörg, auch eine Patenschaft für das Gewässer einzurichten. Weitere Ideen sind bei den letzten Stammtisch zusammengekommen:

  • Bilder von schönen Orten zu veröffentlichen (wie zum Beispiel bei der Kleingartensparte)
  • Schilder im Stadtraum wie im Straßenverkehr, wenn man den Fluß (unterirdisch oder nicht) überquert
  • Weitere Forschung: Welche Orte können geöffnet werden (Bsp. Bereich Neues Bauhausmuseum) oder an welchen Orten kann etwas symbolisches drauf hinweisen
  • temporäre und öffentlichkeitswirksame Aktionen um die Bachläufe in der Stadt sichtbar zu machen und das Bewusstsein für Wasser in der Stadt zu schärfen.
  • weitere Wanderungen!

4.5.2012 Manu + Alex

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2 Gedanken zu „Die Asbachwanderung

  1. Am Landesmuseum fließt nicht direkt der Asbachkanal entlang. Dort verläuft ein anderer Kanal aus Richtung Ettersberg kommend, dieser war wohl auch für die Speisung des ehemaligen Brunnens zuständig. (ist glaube ich auch im schönen neuen Buch der Wasserwirtschaft zu sehen)

    Leider ist die bis 2007 noch vorhandene Brunnenkammer im Zuge des Baus der Tiefgarage des »Weimar Ariums« zum größten Teil vernichtet worden, wie hier zu sehen:

    http://blindface.de/fotogalerie/bauen/atrium/content/Scan_090510_0010_large.html

    http://blindface.de/fotogalerie/bauen/atrium/content/Scan_090510_0021_large.html

    So, sorry für das Klugscheißen 🙂 Schön was ihr da macht!

  2. Wolfgang Maeder sagte am :

    Kurz noch mal der Feuerwehrhistoriker vom privaten Feuerwehrmuseum –
    die Staustelle war gebaut worden um im Brandfalle Löschwasser abpumpen zu können. War 42 Jahre bei der Feuerwehr, kenne diese Stelle noch. Damals führte der Bacg staufähig Wasser.

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