Weimar im Wandel

Die Transition-Town-Initiative für Weimar.

Ro70 Weimar

Es ist vollbracht …

In diesen Tagen ziehen die letzten Bewohner in das sanierte ehemalige Krankenhaus in der Weimarer Rosenthalstraße 70.

Save the date: Einweihungsfete am 11. Juli 2020!

Nach langen Jahren des Leerstandes wurde, dank unermütlichem Engagement einer kleinen Truppe von Visionären, aus einer Krankenhausruine ein „Dorf in der Stadt“! Die Idee vom gemeinschaftlichen Wohnen, geboren im Kreis von Weimar im Wandel, ist nun Realität geworden. Respekt!


2020-07-11T19:03:00

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Ro70-Einweihungsfete


Februar 2020: Es ist vollbracht … und doch noch nicht

Es ist vollbracht! In diesen Tagen ziehen die letzten Bewohner in das sanierte ehemalige Krankenhaus in der Weimarer Rosenthalstraße 70.

Ro70 als Kurzform dieser Adresse heißt dieses genossenschaftliche Wohnprojekt, das in den vergangenen Jahren über Weimar hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt hat und noch sorgt. Erst kürzlich hat es ein 45-minütiger Dokumentarfilm im MDR-Fernsehen Tausenden Zuschauern nahegebracht.

1998 haben die letzten Patienten das alte städtische Hufeland-Krankenhaus verlassen. Seitdem stand das Objekt leer. Das dreiflüglige Ensemble war in den 1930er Jahren als Polizeikaserne für die damalige Thüringer Hauptstadt Weimar errichtet und nach dem Krieg »entmilitarisiert« worden. Damals drohte die russische Militärkommandantur mit dem Abriss, sollte ziviler Umbau und Umnutzung nicht gelingen, weshalb sich die Stadt für ein ohnehin nötiges Krankenhaus entschied.


»Das kann man nur noch abreißen!« dachte so mancher, der vor fünf, sechs Jahren das sah, was nach über 15 Jahren Leerstand, Verfall, Vandalismus und Wildwuchs von dem Bau übriggeblieben war. Das hätten Spekulanten wohl auch gern getan, um auf dem Gelände neu zu bauen. Doch ein paar Träumer aus der Transition-Town-Bewegung hatten damals die Idee vom selbstbestimmten, bezahlbaren Mehrgenerationen-Wohnen in einer Art »Dorf in der Stadt«. Nachdem ein erster Anlauf, die Immobilie für die Sanierung zu erwerben, gescheitert war, wurde der Verkauf durch den Eigentümer mit einigen Bedingungen neu ausgeschrieben.

Um die Bedingungen zu erfüllen, legten sich die Pioniere mächtig ins Zeug, gründeten 2015 die Genossenschaft »Wohnprojekt Ro70 eG«, erstellten ein professionelles Entwicklungskonzept, begeisterten weitere wohn- und investions- bereite Interessenten und erhielten schließlich den Zuschlag. Der Kaufvertrag wurde im März 2016 unterzeichnet, im Herbst des gleichen Jahres begannen die Arbeiten zu Teilabriss und Sanierung.

Das wurde schwieriger als erwartet. Unvorhergesehene Überraschungen in der Altbausubstanz kosteten ebenso Zeit und Geld wie Planungsmängel oder Kostensteigerungen im Baugewerbe. Der Traum vom Einzug spätestens 2018 platzte ebenso wie der von Kaltmieten unter 7 Euro. Denn aus veranschlagten 15 Millionen Euro Sanierungskosten wurden 21 Millionen.

Indessen hatten sich die Mitglieder und künftigen Bewohner längst zusammen-geschweißt, kannten einander,als ob sie längst Nachbarn wären. Organisierten sich in Arbeitsgruppen, um so viel wie möglich ehrenamtlich zu stemmen, packten auf dem Gelände selbst mit an ─ aber feierten auch gemeinsam oder gingen zusammen wandern. Obwohl eine Hiobsbotschaft über Probleme, Kosten oder Einzugstermin die andere jagte, sprang kaum jemand ab, so stark war schon das Zusammengehörig-keitsgefühl und der Wunsch, hier und nirgends anders zu wohnen.

Und nicht nur zu wohnen. Das, was sich die Genossinnen und Genossen auf die Fahnen geschrieben haben, wird seit den ersten Einzügen im Frühjahr 2019 Realität: gemeinsame Gestaltung der Freiflächen und Gemeinschaftsräume, nachbarschaftliche Hilfe und vielfältige gemeinsame Freizeitgestaltung. Eine Wohnkommune ist die Ro70 aber nicht, jeder kann jederzeit seine Wohnungstür hinter sich schließen. »Alles kann, nichts muss« ist das vielzitierte Motto innerhalb der Bewohnerschaft.

Zu jenen, die schon eingezogen sind, gehört Ro70-Vorstandsmitglied Tom mit seiner Frau Jadwiga und den Kindern Lubina und Amalia. »Auf dem Papier sieht alles glatt aus, aber jeder weiß, dass es keinen Bau ohne Probleme gibt. Auch wir mussten am Ende mit Terminverzögerungen und höheren Kosten umgehen«, sagt Tom. »Auch wenn wir das noch nicht ganz bis zum Ende ausgestanden haben, lässt sich schon jetzt sagen: »Es hat sich gelohnt! Damit meine ich nicht nur die schicken neuen Häuser und Wohnungen, sondern vor allem die tolle Nachbarschaft.«

Mit 8,70 Euro Kaltmiete ist die Genossenschaft, obwohl sie satzungsgemäß keinerlei kommerzielle Ziele verfolgt, fast beim Weimarer Marktpreis für sanierte Neuver-mietungen angelangt, hofft aber, durch sparsames Wirtschaften und gemeinsames Anpacken möglichst lange ohne Mieterhöhungen auskommen zu können.

Nomen est omen: Zu den letzten, die im März ihre neue Wohnung in der Ro70 beziehen, gehören Michael und Dorothea mit ihren zwei (bald drei) Kindern. Der Bankangestellte gehört zu jenen, die fast von Beginn an mit vorangegangen sind. Als Vorstand hatte er viel Arbeit und Verantwortung zu schultern. »Ich habe von Anfang an damit gerechnet, dass es viel Arbeit und Kraft bedarf, um dieses Projekt zu stemmen«, sagt März, »und trotzdem habe ich es unterschätzt! Ohne meine Frau, die mich in allem gestützt und getragen hat, hätte ich wohl nicht durchgehalten.«

Es ist vollbracht? Schon, aber andererseits auch nicht. Denn was jetzt kommt, wird auch nicht leicht: das Zusammenleben der Generationen, darunter eine vom Lebenshilfewerk Weimar/Apolda betreute Gruppe von Menschen mit Handicap. Neue Aufgaben, aber auch Konflikte werden nicht ausbleiben. Nun gilt es, den Elan und die Ideale der Gründerzeit mit ins tägliche Leben zu nehmen.

Die Seite zum aktuellen Stand des Wohnprojektes findet ihr hier: www.ro70-weimar.de

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